SG Wattenscheid 09 Magazin / 1987

Ein Blick in die medizinische Abteilung:

Masseur Scholl macht müde Männer munter

Fussball-Fanatiker fingert Frust und Verspannungen gefühlvoll weg

Kapitän Rainer Frömberg liegt langausgestreckt auf der Pritsche im medizinischen Raum neben der 09-Umkleidekabine im Turnhallenanbau des Lohrheidestadions und lässt sich von Masseur Morus Scholl durchkneten. Linderung und Entspannung vermitteln dem Fussballer ein angenehm prickelndes Gefühl von Fitness und Tatkraft. Der frühere Bademeister vom Essener-Uni-Klinikum finger virtuos die Müdigkeit aus dem strapazierten Körper. Rainer Frömberg: "Nach 20 Minuten fühlt man sich wie neu geboren."

 

Fussball-Fanatiker Morus Scholl versteht etwas vom Fach. Geboren am 3. Januar 1962 in Mühlheim (Ruhr), träumte er selbst von einer Profi-Karriere, kam allerdings über Strassenfussball nicht hinaus. Doch die Leidenschaft blieb.

Über seinen Wunschberuf "Masseur" kam Morus wieder an den Fussball heran. Sein Freund Peter Stenz, Hobby-Masseur bei den 09-Junioren, vermittelte ihm im Januar 1985 den Job bei den Amateuren der SG 09, und als Achim Pannenbecker, Masseur der Profis, sich im Sommer 1985 verabschiedete, rückte der Neue zur Lizenzspielerabteilung auf. Seitdem ist er mit Leib und Sele dabei.

Morus fühlt sich als Vertrauter der Spieler, die ihm vieles anvertrauen, was er dann in seinem Inneren fest verschliest. "Auf dem schmalen Grad zwischen Richtig und Falsch den goldenen Mittelweg zu finden, ist manchmal schwierig", plaudert Morus aus der Praxis. "Ich haue keinen Spieler in die Pfanne. Das gilt andererseits genauso für den Trainer und die Vereinsführung." Der Helfer sieht sich als Puffer, und gleichzeitig Verzahner, "damit ein Rad ins andere greift."

Unter Morus`geübten Händen lassen Fussballer nicht nur Müdigkeit, Muskelkater und Verspannungen zurück, sondern oft auch ihren Frust. Der Masseur versucht, als Seelendoktor auch in die Psyche tief einzudringen und glatt zu "bügeln" was das innere Gleichgewicht stört.

Der Unterwasser-Massage bedient der Mann mit den fixen Fingern sich bei leichten Verletzungen, die Massage ohne Mätzchen soll der Entspannung dienen. "Ein Märtyrium darf sie nicht sein", meint Morus,"sonst ist was faul." Er läßt seine Muskeln gern für die Profis spielen und ordnet seine schweißtreibende Arbeit unter der Rubrik "Hilfeleistung" ein.

Die Berufsfreude liegt ihm wohl im Blut denn Bernhard, der ältere Bruder, betreut die Hockey-Cracks des Deutschen Meisters Uhlenhorst Mühlheim als Masseur und Schwester Eva war in der gleichen Branche tätig. Insgesamt acht Geschwister wuchsen mit ihm bei den Eltern in Mühlheim - in der Stadt an der Ruhr teilt Morus seit gut acht Jahren mit Lebensgefährtin Gabi, einer Sekretärin, in der gemeinschaftlichen Wohnung Freud und Leid - gemeinsam auf.

Nach der Geschlechterquote gefragt antwortet der jüngste Scholl-Sproß lächelnd: "Ich habe den Ausschlag zum 5:4 für die Männer gegeben."